Gymnasium Marianum

Buseesa – Eine Boarding-School im Westen Ugandas, im Herzen Afrikas

Beobachtungen einer Schule in Uganda

von Paula Vollmer

Ich arbeite in einer Schule in Uganda, genauer gesagt in Buseesa, einem sehr kleinen Ort mitten im Busch, und das unterstreichen die Einheimischen auch sehr gerne.

Eine Internatsschule unter kirchlicher Leitung

Meine Schule wurde 1998 von amerikanischen Schwestern des Ordens „Schwestern unserer Lieben Frau” gegründet. Als erstes gab es nur eine Primary School, doch 2003 haben sie auch eine Secondary School eröffnet. Im Moment leben insgesamt neun Schwestern hier. 5 Schwestern kommen aus Amerika, eine aus Deutschland und drei Juniorschwestern aus Uganda. Alle unterrichten entweder an der Primary oder Secondary School und beide Schulleiterinnen sind auch Schwestern. Die Schwestern leben etwas abseits der Schule im Konvent. Die meisten weißen Schwestern sind schon älter, mind. 60 und älter, wobei die ugandischen Schwestern alle Ende 20 sind. Hier in Uganda ist Schwester oder Priester werden noch eine gute Option, da man ein abgesichertes Leben hat und es meistens ein sozialer Aufstieg ist. Die Priester werden hier noch richtig „angehimmelt” und respektiert, mehr vergleichbar mit der Position eines Pfarrers in Deutschland vor ca. 50 Jahren. Zur Begrüßung von Schwestern und Priestern knien sich viele Frauen noch hin, eine traditionelle Begrüßungsform. Allerdings gibt es auch Kinder und Frauen, die sich vor uns Weißen hinknien oder es andeuten, wenn man sich nur auf der Strasse sieht.

Meine Erlebnisse und Erfahrungen

Ich möchte ein bisschen von meinen Beobachtungen und meinen Erfahrungen hier in Uganda, besonders mit dem Schulleben, erzählen. Allerdings muss ich aufpassen, dass ich meine persönlichen Erfahrungen hier in Buseesa nicht gleich auf alle Schulen in ganz Uganda übertrage. Wie gesagt, es sind nur persönliche Beobachtungen und Erfahrungen. Und hier im Busch, oder Kibale District, läuft noch vieles anders als in den großen Städten. Aber ich versuche mein Bestes, einen Einblick in das Schulleben und ein bisschen das der Kinder zu ermöglichen.

Die Umgebung der Schule

Die Schule in der ich arbeite liegt im Kibale District, der insgesamt eher arm ist und auch nicht besonders industrialisiert. Sie gehört zu dem kleinen Dorf Buseesa, das aus unserer Schule, einer öffentlichen Grundschule, einer Secondary School,der Kirche, dem Parish und vielleicht zehn Häusern besteht. Wir sind ungefähr 250 km von Kampala entfernt, doch bevor man die lange beschwerliche Reise in einem überfüllten Minibus antritt, überlegt man sich noch mal zweimal, ob es wirklich wichtig ist. Viele der Kinder waren auch noch nie in Kampala oder woanders als zu Hause in dem Dorf und in der Schule.

Die tägliche Arbeit

Das Leben der Kinder spielt sich zum größten Teil in der Schule ab, da die meisten Schulen boarding schools, also Internate sind. Die Kinder haben ca. 4 Monate Ferien, das restliche Jahr verbringen sie in der Schule. Besonders für die ganz kleinen Kinder ist das bestimmt hart, wir haben schon Internatsschüler ab der ersten Klasse. Die Lehrer wohnen auch auf dem Gelände, dadurch vermischen sich Berufs- und Privatleben sehr und die Lehrer müssen als Lehrer und Erzieher fungieren.

Das Leben der Kinder ist sehr aufs Lernen ausgelegt. Bis halb vier jeden Tag ist Unterricht, danach “Family Work” und Hausaufgaben, danach Waschen und Baden und nach dem Abendbrot noch mal Hausaufgaben. Bei der “Family Work” müssen die Schüler eine Stunde auf dem Gelände, der Farm oder in der Küche arbeiten. Es heißt so, da diese Arbeiten denen ähneln, die die Kinder auch zu Hause machen müssen. Der Tag ist angefüllt mit Lernen und Arbeiten. Am Wochenende haben die Grundschüler die meiste Zeit frei, aber die Secondarys verbringen auch das Wochenende mit Lernen, Tests und Seminaren. Im Vergleich zu dem immensen Lernpensum hier frage ich mich, wie ich mein Abitur geschafft habe. Mich erschreckt das manchmal, wie viel die Secondary Schülerinnen lernen, ohne Pause.

Das Schulsystem in Uganda

Aber jetzt erst mal zum Schulsystem allgemein. Es geht los mit drei Jahren Nursery School, so was ähnliches wie Kindergarten. Doch wird dort auch schon ein bisschen unterricht, zum Beispiel Zahlen und das Alphabet. An unserer Schule wird in der Nursery School auch schon ein bisschen Englisch unterricht, das ist aber eher die Ausnahme. Die Nursery School ist aber nicht verpflichtend.

Die Primary School dauert sieben Jahre. Ab der vierten Klasse sind alle Examina in Englisch, was es für die Kinder um so schwerer macht, denn in den meisten Schulen wird von der ersten bis zur dritten Klassen in der jeweiligen tribal language, also der Stammessprache, unterrichtet und das ist dann ein ganz schöner Bruch. An unserer Schule wird schon ab der ersten Klasse Englisch unterrichtet, aber das ist eher die Ausnahme. Am Ende der siebten Klasse gibt es dann die PLE, Primary Level Examination, also Abschlussprüfungen in den Fächern Mathematik, Englisch, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften. Die Ergebnisse dieser Prüfungen sind sehr wichtig, da die Secondary Schools sich bei der Aufnahme neuer Schüler nach diesen Noten orientieren. Die Schüler stehen also schon ab der siebten Klasse unter starkem Leistungsdruck. Die meisten Primary Schools sind für Mädchen und Jungen, während bei den Secondary Schools meistens getrennt wird. Unsere Primary School, also die Grundschule ist fuer Mädchen und Jungen, während unsere Secondary School nur für Mädchen ist.

Dann geht es weiter mit der Secondary School, als erstes Senior 1 bis Senior 4, was unseren Klassen 8 bis 11 entspricht. Nach Senior 4 gibt es dann die O-Levels, schwere Abschlussprüfungen. Ich glaube nicht, dass deutsche Schüler aus der 11. Klasse die machen könnten. Unsere Secondary School geht nur bis Senior 4. Für manche Berufsausbildungen reicht es schon, wenn man nur seine O-Levels hat. Wenn man allerdings zur Universität gehen möchte, muss man noch Senior 5 und 6 machen und dann seine A-Levels. Das entspricht ungefähr dem Abitur. Allerdings sind Senior 5 und 6 schon spezialisierter, die Schüler wählen nur noch ca. 5 Fächer in bestimmten Kombinationen, die dann auch ausschlaggebend für den späteren Studiengang sind. Die Universitäten sind allerdings sehr teuer, daher entschließen sich manche Leute nur einen Kurs an einem College zu machen.

Grundsätzlich besteht Schulpflicht in Uganda für die Primary School, doch trotzdem bleiben noch viele Kinder zu Hause um zu arbeiten. Die Grundschulen sind frei, abgesehen natürlich von den Privatschulen, allerdings sind die meisten Privatschulen besser als die öffentlich Schulen, und viele Eltern möchten ihre Kinder auf Privatschule schicken, wenn sie sich das leisten können. Dadurch gibt es bei uns in den Klassen auch ein relativ großes Altersspektrum, weil manche Kinder erst relativ spät in die Schule gehen, wenn ihre Eltern sich das leisten können. Viele Kinder sind auch überrascht, wenn ich sage, dass ich auf einer öffentlichen Schule war und fragen, warum ich denn nicht auf eine Privatschule gegangen bin.

Es besteht schon ein großer Unterschied zwischen Privatschulen und öffentlichen Schulen, was sich dann auch in den Ergebnissen der Abschlussprüfungen zeigt. In den Public Schools sind ca. 60 bis 120 Schüler in einer Klasse, die Privatschulen ziehen die Grenzen bei ca. 60 Schülern. Auch ist die Materialausstattung in den Public Schools viel schlechter, ungefähr ein Buch für 6 Schüler, weil einfach nicht genug Geld für mehr Material aufgebracht werden kann. Die Lehrer werden schlechter als in Privatschulen bezahlt und auch unregelmäßig, weshalb einige Lehrer noch einen 2. Job haben. Vor allem einen eigenen Garten, dessen Erzeugnisse sie dann verkaufen. Dadurch verringert sich auch ihre Motivation.

Es besteht auch noch ein sehr großer Unterschied zwischen Stadt und Land/Busch. In den ländlichen Gegenden gibt es nur wenig Arbeitsmöglichkeiten und dadurch sind die Menschen arm und haben nicht das Geld ihre Kinder auf gute und teure Privatschulen zu schicken. Auch werden die Kinder noch gebraucht, um zu Hause und auf den Feldern zu arbeiten. In den Städten haben die Leute mehr Geld, und die Leute legen mehr Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder.

Unsere Schule

Unsere Primary und Secondary School haben bei den Abschlussprüfungen relativ gut abgeschnitten, was die Leute sehr überrascht, da wir mitten im Busch in einer sehr armen Gegend sind. Allerdings wird könnte sich die Schule sich nicht nur durch das Schulgeld der Kinder finanzieren, sie wird noch durch den Orden unterstützt und es gibt auch noch Sponsoren. Das Schulgeld beträgt zwischen 50 und 70 Euro pro Term für die Primary School und ungefähr 85 bis 90 Euro pro Term für die Secondary School, was nicht besonders viel für eine gute Privatschule ist. Allerdings gibt es viele Familien, vor allem aus der Region, die Schwierigkeiten haben, dass Schulgeld aufzubringen. Die Schwestern akzeptieren daher auch z.B. Bohnen oder Feuerholz etc. als Ersatz für das Schulgeld. Auch arbeiten einige Eltern und Schuler während der Ferien hier. Auch vergeben die Schwestern Stipendien an Schüler, deren Familien Probleme mit dem Schulgeld haben. Diese Schüler arbeiten dann einige Stunden am Wochenende für die Schwestern.

Der Unterricht

Der Unterrichtsstil unterscheidet sich sehr von dem in Deutschland, und manchmal fällt es mir schwer den nicht zu verurteilen. Er ist noch sehr auf Frontalunterricht ausgelegt und sehr lehrerzentriert. Der Lehrer steht vor der Klasse und sagt etwas vor und danach wiederholt es die ganze Klasse. Der Schwerpunkt liegt auf Auswendiglernen und schlichtes „Pauken“, wobei wir eher zum kreativen und eigenständigen Lernen ermutigt werden. Doch auch die Prüfungen sind auf schlichtes Abfragen des Gelernten ausgerichtet. Deshalb verbringen die Schüler auch so viel Zeit mit Lernen, da sie sich an so viele Sachen erinnern müssen. Auch erwarten die Lehrer Disziplin und Respekt von ihren Schülern, den die Schüler ihnen aber auch willig entgegenbringen. Und manche Lehrer neigen auch dazu, schon bei der kleinsten Rührung eine Bestrafung zu geben. Beliebte Bestrafungen hier sind hinknien und Gras slashen am Wochenende. Das ist so etwas ähnliches wie sensen. Zum Glück werden hier die Kinder aber nicht geschlagen, darauf legen die Schwestern großen Wert. In anderen Schulen ist das aber leider noch eine übliche Strafe. Auch wird von den Schülern viel Respekt gegenüber ihren Lehrern erwartet. Die Lehrer werden hier als „Elder“ angesehen, denen man den nötigen Respekt entgegenzubringen hat. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass die Lehrer die Schüler ein bisschen wie Dienstboten behandeln, so müssen sie zum Beispiel Sachen tragen, aber auch Tee holen oder sogar das Geschirr abwaschen. Das liegt aber auch zum Teil daran, dass Schüler und Lehrer zusammen wohnen und sich so Schule und Familienleben mischt.

Sprachprobleme

Die Sprache unserer Schule ist Englisch, und es ist den Kindern eigentlich auch verboten in ihrer tribal language, bei den meisten Kindern hier ist das Runyoro, zu sprechen. Manche Lehrer bestrafen die Schüler hart, wenn sie untereinander Runyoro sprechen. Auf der anderen Seite sprechen die Lehrer untereinander natürlich auch Runyoro, auch vor den Schülern, erwarten aber trotzdem, dass die Schüler nur Englisch sprechen. An der Secondary School ist das nicht mehr so ausgeprägt, dort gibt es auch manche Lehrer die aus dem Norden kommen, und so die lokale tribale language gar nicht sprechen.

Der Lehrerberuf

Lehrer verdienen in Uganda im Allgemeinen eher nicht so gut, vor allem die Primary Lehrer. Allerdings ist die Ausbildung auch nicht so lang und teuer wie für Secondary Lehrer, die ungefähr das doppelte verdienen. Für die Ausbildung zum Primary Lehrer reichen schon die O-Levels und danach gibt es einen Kurs, der 2-3 Jahre dauert. Secondary Lehrer müssen zur Universität gehen, die schon sehr teuer ist. Der Beruf des Grundschullehrers ist daher für manche nur eine Alternativlösung, wenn sie sich ihre eigentliche Wunschausbildung nicht leisten können. Doch sind Lehrer im Allgemeinen schon Respektpersonen.

Schulfarm und Ernährung

Unsere Schule hat auch eine Schulfarm,wo vor allem Kochbananen (Matoke), Mais und Casawa (oder Maniok, eine Art Wurzel) angepflanzt werden. Auch gibt es einige Tiere. Es gibt ca. 400 Hühner, die genug Eier legen, dass die ganze Schule zweimal die Woche 1 Ei zum Frühstück essen kann, dann gibt es noch ca. 20 Ziegen, einige Schweine und eine Kuh. Die Schulfarm ist nur für den Eigenverbrauch, doch muss auch noch Essen dazugekauft werden, vor allem Maismehl für Poshu. Und die Kinder müssen am Anfang des Terms ihre eigenen Bohnen mitbringen. Die Schulfarm rentiert sich nicht wirklich, doch möchten die Schwestern sie nicht aufgeben, da das einen Verlust von ca. 30 Arbeitsplätzen zur Folge hätte.

Die Ernährung der Schüler und Lehrer besteht vorwiegend aus roten Bohnen und Poshu oder Casawa und ist daher relativ eintönig. Poshu, ein Brei aus Maismehl, ist das bevorzugte Schulessen in Uganda, da es satt macht und nicht besonders teuer ist. Die Lehrer essen das gleiche wie die Schüler, nur können sie sich mehr nehmen und haben ab und zu etwas Besonderes.

Die Schüler schlafen in Dorms mit einer Matron und die Lehrer in dem Teacherhaus, wo es sogar richtige Duschen und Toiletten gibt. Das ist für manche oder viele sehr luxuriös im Gegensatz zu ihrem Zuhause, viele Schüler wohnen noch in Lehmhütten.

Meine Arbeit

Zum Abschluss noch ein bisschen darüber, was ich hier eigentlich mache. Ich helfe im Unterricht und unterrichte Englisch und Mathe und gebe manchen Schülern Einzelnachhilfe, die besonders Probleme haben. Ich unterrichte nur an der Primary School, aber am Wochenende verbringe ich dann gerne auch etwas Zeit mit den Secondary Schülerinnen. Dann beaufsichtige ich noch eine Family Work Gruppe, die sich um die Kaninchen kümmert und Hausaufgabenzeiten. Und natürlich spiele ich auch einfach mit den Schülern. Ich glaube es tut den Schülern ganz gut, positive Aufmerksamkeit von einem Erwachsenen zu bekommen, da sich die Lehrer nicht so darum kümmern. Ich versuche auch weiterhin mehr Runyoro zu lernen, was mir allerdings sehr schwer fällt, aber noch gebe ich nicht auf.

Ich bin hier noch mit zwei anderen Freiwilligen, einer aus Deutschland und einer aus Amerika. Wir verstehen uns die meiste Zeit schon ganz gut, und manchmal tut es auch gut mit ihnen über meine Erfahrungen und Erlebnisse zu sprechen, da sie in einer ähnlichen Position sind wie ich. Doch habe ich auch einige Freunde unter den Lehrern, wobei man schon ab und zu den kulturellen Unterschied merkt.

Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Einblick in mein Leben in Uganda ermöglichen. Vieles hier ist sehr anders und gewöhnungsbedürftig, doch lerne ich auch jeden Tag viel Neues. Insgesamt genieße ich meine Zeit hier sehr und bin dankbar für die ganzen neuen Erfahrungen.

Bei den Informationen über die Schule im Allgemeinen hat mich die deutsche Schwester ein bisschen unterstützt.

Ich hoffe , dass ich euch einen kleinen Einblick in das Leben einer afrikanischen Schule geben konnte

Ich grüße euch alle herzlich!

Paula Vollmer

Nach oben