Gymnasium Marianum

Kunst aus vielfältigen Blickwinkeln

Projekt: Am Marianum drehte sich in der vergangenen Woche alles um die Documenta 

Kulturelle Themen bleiben nicht nur den Unterrichtsfächern Musik und Kunst vorbehalten, denn das Gymnasium Marianum veranstaltete in der vergangenen Woche eine fächerübergreifende Projektwoche zur Documenta in Kassel. Auf dem Programm standen neben eines gemeinsamen Documenta-Besuchs auch die Bearbeitung verschiedener Projekte in Kleingruppen und die Vorstellung im Plenum.

"Wir sind ein Kulturgymnasium und freuen uns deshalb besonders, dass wir eine solche Projektwoche auf die Beine stellen konnten" so Scholle. In neun Projektgruppen beschäftigten sich rund 200 Schülerinnen und Schüler der Klassen 7-9 mit Kunstbeiträgen der Documenta. ...

Dabei fiel Schülern und Lehrern auf, wie unterschiedlich die Kunstwerke gesehen werden können. "Die Frage, was hinter den Werken steht, beschäftigte die Jugendlichen", weiß Kunstlehrerin Birgit Kasten. Ziel der Woche sei es, einen eigenen Teil zur Kunst beizutragen, die Kreativität zu fördern und durch die Bearbeitung der Projekte etwas bei den Schülern in Gang zu setzen, so Kasten.

Die Projekte zeichneten sich durch unterschiedliche Herangehensweisen an die Themen aus. Beispielsweise stellte eine Gruppe zum Werk "Rentierschlachtung" Überlegungen an, welche Tierarten aktuell bedroht sind. Eine musikalische Gruppe setzte sich mit dem Klang von Hunger auseinander. Am Freitag stellten die Schüler im Plenum ihre Arbeiten vor. Die Identifikation der Jugendlichen mit den Projekten war deutlich zu spüren. "Die Arbeiten werden bis nach den Sommerferien ausgestellt und sollen den Charakter unseres Kulturgymnasium widerspiegeln", informierte Scholle.

aus: NW 15./16.7.2017

Den Klang des Hungers erzeugen

Der guatemaltekische Komponist und Sound-Künstler Joaquin Orellana gehört zu den wichtigsten Vertretern der modernen Musik in Südamerika. In seiner Musik thematisiert er Probleme seines Landes, indem er Elemente der ursprünglichen Musik Guatemalas mit modernen Klängen verbindet.

In der ersten Phase des Projektes ging es darum, Orellana, sein Land und seine Ideen zur Musik kennenzulernen. Anschließend entwarfen wir zu den Fragen, mit denen sich Orellana musikalisch auseinandersetzt, eigene musikalische Gestaltungen.

Book up 3

Aus alten Büchern haben wir kreativ neues gestaltet: ob Postkartenhalter, Schhmuckschatullen, Handyhüllen, Origami und die Nachgestaltung des Parthenon, für jeden war etwas dabei und alle waren sehr engagiert und begeistert bei der Sache.  Als Anregung dienten uns die verbotenen Bücher, aus denen der Parthenontempel nachgestaltet wurde.

Ornamente unterschiedlichster Kulturen neu entdeckt

 In Anlehnung an das Kunstwerk im Fridericianum „The End“ von  Nikos Alexiou , der altgriechische Ornamente wiederentdeckt und in einer digitalen  Animation neu zum Leben erweckt hat, hat die Projektgruppe sich auf die Spuren der unterschiedlichsten Kulturen und deren ornamentale Ausdrucksweise begeben. Mit Ton und Engoben gestalteten die Schüler kleine Reliefs.

Färben von Stoffen mit Indigo und Wachs, Schnur und anderen Techniken

Nach dem Vorbild des afrikanischen Künstlers Aboubakar Fofana  haben wir Farbexperimente gemacht, indem wir verschiedene Färbebäder erprobten, durch das Abbinden von Stoffen mit Kabelbinder oder Paketschnur oder Tesaband Muster und Strukturen  einarbeiteten und gestalteten. Im 2. Schritt konnte jeder Teilnehmer sein eigenes T-Shirt mit individuellen Mustern kreativ einfärben.

Ein Regenbogen an Farben

2 Projekte wurden verwirklicht:

Wir haben uns beim Documentabesuch von der Künstlerin Cecilia Vucuna und ihrem Kunstwerk „Quipu Womb“ inspirieren lassen und ein „Kunstwerk“  aus selbstgefärbten Baumwolltüchern durch Knoten verbunden, erstellt und im Treppenhaus drapiert.

Als 2. Projekt wurden große Tücher in den Farben des Regenbogens gefärbt, die in Zukunft zu besonderen Anlässen die Fassade unserer Schule zieren sollen.

Das Schubladendenken – The Desasters of Society

Nach dem Vorbild der Skulptur „The Trojan Horse“ – The Disasters of War von Daniel García Andújar haben Schülerinnen und Schüler ein riesiges Modell zum Schubladendenken nachgebaut.

In diesem Zusammenhang reflektierten wir über Nutzen und Nachteil des Vorurteils. Mit unserem Kunstwerk möchten wir den Zuschauer mit der Tatsache konfrontieren, dass wir nicht nur Menschen, sondern auch Ideen, denen wir zum ersten Mal begegnen, nur allzu gerne in Schubladen stecken.

Schutz bedrohter Tierarten durch Kunstaktion

Vorbild für unser Projekt ist die Installation der norwegischen Künstlerin Maret Anne Sara, die sich mit der Dezimierung der Rentierherden im Samland beschäftigt. Stellvertretend für andere bedrohte Tierarten haben wir Berggorillas, Pandas und Nashörner ausgewählt und als Vorhang installiert. Geräusche aus dem tropischen Regenwald und Plakate mit Detailinformationen ergänzen unser „Kunstwerk“.

Gestaltung von Briefumschlägen

In Anlehnung an die Bilderarbeit der Künstlerin Nora Davey hat der Projektkurs das künstlerische Mittel Collage genutzt um die Eindrücke  von der Dokumenta wiederzugeben und individuell weiter zu entwickeln

Halit Yozgat - ein Mord wird künstlerisch aufgearbeitet

Am 6.4.2006 wurde der 21-jährige Halit Yozgat in seinem Internetcafé in der Holländischen Straße 82 in Kassel von Mitgliedern des sogenannten 'National-Sozialistischen-Untergrunds' ermordet.

Da es bei der politischen und juristischen Aufarbeitung der Mordserie viele Ungereimtheiten gab, begann eine externe Gruppe, die Forensic architecture, sich vor allem mit den Zeugenaussagen eines zur Zeit des Mordes im Internetcafè befindlichen hessischen Verfassungsschutzbeamten auseinanderzzusetzen.

In dem Projekt wurde dieser Documenta-Beitrag vorgestellt und seine Hintergründe, seine Entstehung sowie sein Umfeld näher untersucht.

200 Marianer besuchen die Documenta 14

Documenta 14. Ausstellung in Kassel

 

1955 fand die erste Documenta in Kassel statt. Die Bildausstellung ist alle 5 Jahre in Kassel. Dieses Jahr, 2017 sind Kassel und Athen, beides Gastgeber der Ausstellung. Die Reiter starteten auf ihren Pferden in Athen und kamen am 9.7.2017 in Kassel an.

Jetzt berichten wir über unseren Tag in der Documenta in Kassel. Am Montag, den 10.7.2017 fuhren wir in unseren Gruppen um 8:26 mit dem Zug vom Waburger Bahnhof ab und kamen  in Kassel, Wilhelmshöhe an. Von dort aus nahmen wir die Straßenbahn zum Friedrichsplatz, wo zum Beispiel das Parthenon, das wir als erstes besuchten, stand.

Das Parthenon heißt auch der Tempel der verbotenen Bücher, der von der argentinischen Künstlerin Marta Minujin geschaffen wurde. Der ganze Tempel soll aus verbotenen Büchern bestehen zum Beispiel ist das Harry Potter Buch in den USA verboten. Die Bücher sind Spenden von Menschen und zum Schluss, wenn der Tempel fertig gebaut ist, werden die Bücher wieder an Leute vergeben, aber es tauchte auch der Gedanke auf, die Bücher zu verbrennen, weil im Mai 1933 die Nazis Bücher von ihnen unbeliebten Autoren ins Feuer warfen.

Als nächstes besuchten wir in unserer Gruppe ein Kunstwerk aus 20 Abwasserröhren, in denen verschiedene Zimmer eingerichtet wurden. Der Künstler Hiwa K., geboren 1975 in Kurdistan, Irak, gab seinem Kunstwerk den Namen : „ When We Were Exhaling Images.“ Eine Gruppe von Kunststudenten half ihm bei der Einrichtung der Röhren. Diese Röhren bezeichnen die Flucht ,da in solchen Röhren viele Flüchtlinge  übernachteten. Der Künstler kam auf die Idee, da er selbst aus dem Irak flüchten musste.

Auf dem Weg zu einem anderen Kunstwerk, begutachteten wir den  „Penone - Baum“ von dem Künstler Giuseppe Penone. Dort war ein großer Stein im Baum zu sehen.

Dann begaben wir uns zu einem hölzernen Räderwerk. Der Künstler Antonio Vega Macotela, geboren1979 in Mexiko City gab seinem Kunstwerk den Namen: „ The Mill of Blood.“ Das soll eine Nachbildung einer bolivianischen Silbermühle aus der spanischen Kolonialherrschaft darstellen.

Auf dem Rückweg von der Mühle sahen wir 12 Statuen von griechischen Göttern. Bei der ersten Statue waren Caritas und Romana zu sehen. Bei der zweiten sahen wir Vulkan, dann Flora, Hades, Eirene, Vesta, Liktor, Amazone, Pomona und als letztes sahen wir Pluto und Proserpina. Bei den anderen beiden Statuen war ein Reiter mit einem Pferd abgebildet.

Als wir über die Straße gingen, entdeckten wir Rauch, der aus einem Gebäude hoch stieg. Dies ist ein Zeichen für die Bombardierung auf Kassel. Der Rauch qualmt 10 Stunden am Tag.

Anschließend begaben wir uns zu einem Lautsprecher von dem Künstler Pope L., geboren 1955 in Newark, New Jersey. Bekannt ist das Kunstwerk unter dem Namen „Whispering Campaign.“ Aus dem Lautsprecher kamen die Worte „Ignoranz ist eine Tugend.“

Zum Schluss besuchte unsere Gruppe das Fridericianum, das rund 1.100 Werke von Künstlern aus aller Welt besitzt. Uns gefiel dort am besten das Parlament der Körper, wo Kissen mit verschieden Militärmustern lagen. Jedes Muster steht für eine andere Bundeswehr, zum Beispiel für die Deutsche - oder Wüstenbundeswehr. Der Künstler will damit auf Krieg, Militär und Waffenhandel hinweisen.

Der Gong, der uns dort auch beeindruckte, ist von dem Künstler Takis, geboren 1925 in Athen. Der Gong besteht aus einem Metallbogen, der einen Elektromagneten anzieht. Dieses Verfahren verursacht einen großen Schall, der auch sehr erschreckend sein kann. Ein anderes Kunstwerk des Künstlers ist die Telelumiere colonne, die aus Quecksilberlampen, Glühbirnen und einem Elektromagneten besteht.

Die ganze Führung hat uns sehr gut gefallen. Besonders gut fanden wir den Tempel der verbotenen Bücher, weil es sehr überraschend ist, welche Bücher verboten werden und weil es eine sehr gute Idee war. Die Röhren haben uns auch sehr gut gefallen, weil die Einrichtungen sehr gut gelungen waren und der Zweck sehr wichtig ist.

Nach der Führung durften wir noch in die Stadt gehen.

Um 15:10 fuhren wir mit der Straßenbahn zurück zur Wilhelmshöhe und von dort aus mit dem Zug wieder nach Waburg. Um 16:36 sind wir mit dem Zug am Waburger Bahnhof angekommen.

LehrerInnen besuchen die Documenta 14

Die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasium Marianum haben zum Schulabschluss eine Projektwoche zur kulturellen Bildung geplant und zur Vorbereitung eine besondere Aktion durchgeführt: Das gesamte Kollegium besuchte die Documenta 14 und ließ sich in den in diesem Jahr „Spaziergängen“ genannten Führungen in Kleingruppen verschiedenste Kunstwerke und Installationen näher bringen. Überrascht war man beim Besuch der renommierten Kunstausstellung von der Vielfalt der Werke und ihrer Präsentationen an den unterschiedlichen Standorten in Kassel. Mit ihrem Anspruch, politisch zu sein und nicht nur ästhetische Kunst zu präsentieren, zeigt die Documenta 14 teils überraschende und sensible, teils unbequeme und befremdlich erscheinende Perspektiven auf unsere Welt. Einige der angesprochenen Themen werden in der kommenden Woche am Gymnasium Marianum in den Projekttagen zur kulturellen Bildung mit den Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 9 kreativ bearbeitet und in künstlerischen Workshops vertieft und weiterentwickelt. Die Ergebnisse der kreativen Auseinandersetzungen der Schülerinnen und Schüler mit der Documenta 14 werden auch noch nach den Sommerferien im Schulgebäude präsentiert und sind für interessierte Besucher zugänglich. Der Documentabesuch diente als konkrete Vorbereitung dieser Projektwoche. Schulleiter Frank Scholle zeigt sich positiv überrascht: „Interessant war, zu beobachten, wie Projektideen bei unseren Lehrern in der direkten Begegnung mit Kunstwerken spontan entstanden. Zum Teil wurden sogar bereits vor dem Besuch geplante Vorhaben über den Haufen geworfen, um neuen Ideen Platz zu schaffen. Dies ist umso erfreulicher, als sich diese Kreativität nicht nur bei den Kunstkolleginnen, sondern quer über alle Fächer entwickelte." Die noch am selben Tag konzipierten und verschriftlichen Projektideen wurden zwei Tage später den Schülern der Stufen 7 bis 9 vorgestellt, die sich interessengeleitet in die verschiedenen Kunst-Workshops der Projektwoche einwählen können. In der letzten Schulwoche werden dann auch die Schüler mit ihren Projektleitern die Documenta besuchen, um anschließend mehrere Tage an den Projektideen kreativ und produktorientiert zu arbeiten. Der Schulleiter erläutert den programmatischen Aspekt der Aktion: „Das Gymnasium Marianum definiert sich u.a. als Kulturgymnasium. Hierzu haben wir in der engen Zusammenarbeit der einzelnen Fachkonferenzen in den letzten Jahren ein „Kulturcurriculum“ entwickelt, das unseren Schülern verschiedenste Aspekte des Kulturbegriffs vermittelt." Von den Fächern Kunst über die Sprachen (z.B. Latein Klasse 9: antike Grundlagen europäischer Kultur) und geisteswissenschaftlichen Fächer (z.B. Erdkunde Klasse 5: verschiedene Kulturen in der Klasse) bis hin zum Fach Sport oder den naturwissenschaftlichen Bereich (z.B. Mathe Klasse 5: römische Zahlen in Häuserinschriften Warburgs) werden diese Aspekte vermittelt. "Kulturelle und ästhetische Bildung muss sich auch im benotungsfreien Raum entwickeln können. Insofern wurden durch aktuellen Beschluss der Schulkonferenz alle zwei Jahre am Ende des Schuljahres Projekttage zur kulturellen Bildung festgelegt“, sagte Scholle weiter. Die organisierende Kunstlehrerin Birgit Kasten ist begeistert von den Projektideen ihrer Kollegen: „Die Bandbreite der Angebote, sowie der unseren Schülern innerhalb der Projektideen eingeräumte Spielraum kann sich sehen lassen. Ich bin schon neugierig auf die Ergebnisse“. Konkrete Projektideen werden aber noch nicht verraten. Die Ergebnisse werden nämlich erst am Ende der Projektwoche am letzten Schultag vor den Ferien präsentiert. 

Warburger Schüler beteiligen sich an Documenta

Ein Tempel verbotener Bücher

Documenta 14: Lehrer und Schüler des Marianum möchten die

Warburger anregen, sich an einem aufsehenerregenden Projekt in

Kassel zu beteiligen. Gesucht werden 55.000 zensierte Bücher

 

Die Ausmaße sind gewaltig: knapp 31 Meter breit, 70 Meter lang, die Säulen 10,5 Meter hoch. Die argentinische Künstlerin Marta Minujín will den Parthenon-Tempel der Athener Akropolis in Originalmaßen auf dem Kasseler Friedrichsplatz nachbauen. Das Gerüst wird aktuell errichtet, an das als Fassadensteine 55.000 Bücher gehängt werden sollen. "Werke, die zensiert wurden", sagt Alexandra Dittmeier. Solche Schriftwerke werden gesucht. Deshalb ruft die Lehrerin des Gymnasium Marianum mit ihrer Kollegin Christin Raßmann und Schulleiter Frank Scholle zum Mitmachen auf.

Selbst Verlage beteiligen sich. Suhrkamp und der Insel-Verlag gaben 6.000 Buchexemplare dazu, die Gruppen Penguin und Random House 10.000. "Bis jetzt sind rund 35.000 Bücher zusammengekommen", sagt Henriette Gallus, Sprecherin der Documenta 14, die am 10. Juni in Kassel und Athen beginnen wird.

Selbst solche Klassiker wie Goethes Faust oder die Romane "Der Prozess" und "Die Verwandlung von Franz Kafka gehörten einmal zu den verbotenen Büchern. "Erich Kästners Werke wurden in der Nazizeit verbrannt", sagt Raßmann. Heute sind sie Schullektüre, an denen sich im Unterricht auch die Marianer abarbeiten. Auf dem Friedrichsplatz in Kassel wurden 1933 Bücher im lodernden Feuer vernichtet. Die geplante Installation könne anregen, über Demokratie nachzudenken, sagt Schulleiter Frank Scholle. Raßmann und Dittmeier wohnen in Kassel, gemeinsam fahren die beiden Pädagoginnen morgens zur Schule nach Warburg. "Im Auto entstand die Idee, sich an der Kunstaktion zu beteiligen", sagt Raßmann. Das stieß sowohl im Lehrerzimmer als auch in den Klassenräumen auf breite Zustimmung. "Viele verbotene Bücher stehen als Pflichtlektüre steht auf unserer Unterrichtsliste", hält die Deutschlehrerin fest. Im Geschichtsunterricht von Alexandra Dittmeier wurde die Bücherverbrennung zum Thema. Schüler und Lehrer fahndenden im heimischen Bücherregal nach Schriftwerken, die verboten waren und jetzt wieder verlegt werden oder die noch immer irgendwo auf dieser Welt verboten sind. "Auch die Bibel und der Koran gehören dazu", sagt Dittmeier. "Die Sammelaktion in der Schule begann." Und soll jetzt auf die Stadt ausgedehnt werden. "Die Warburger können mitmachen", werben die beiden Lehrerinnen und rufen zur Spende auf.

Der Tempel der argentinische Künstlerin im Zentrum von Kassel wird historische und politische Umstände sichtbar machen. Die Bücher, die in unterschiedlichen Ländern und Zusammenhängen verboten waren oder es noch immer sind, werden zeigen, "wie mächtig Wörter sind und wie gefährlich sie werden können", bemerkt Raßmann.

Die Schüler in den Räumen der altehrwürdigen Bildungseinrichtung zwischen den Städten in Warburg habe besonders das Beispiel Erich Kästners beeindruckt, berichtet Raßmann aus dem Deutschunterricht. Bei der Verbrennung seiner Werke durch die deutschtümelnden Nazis sei der geächtete Berliner Schriftsteller selbst dabei gewesen. "Dieser Fakt hat unsere Schüler tief getroffen", merkt Raßmann an. Zusehen, wie die eigenen Gedanken in Flammen aufgehen. Die Liste im Laufe der Jahrhunderte in den Ländern der Welt untersagten Bücher, die in der Kasseler Uni erarbeitet wurde, umfasst 2.582 Seiten. Einsehbar ist sie unter der Internetadresse www.documenta14.de und www.nikola-rossbach.de.

"Wir in Deutschland sind in Sachen Zensur zum Glück an einem anderen Punkt angelangt, als in vielen anderen Ländern", sagt Raßmann. Eine Erkenntnis, die den Schülern bei der Beschäftigung mit dem in Kassel entstehenden mächtigen Kunstwerk erst langsam aufdämmerte. "Weil sie mit ihrem Buch am Tempel mitbauen, werden sie auch eine persönlichere Beziehung zur Documenta aufbauen", ist sich der Schulleiter sicher.

Die 55.000 Bücher für den "Parthenon der verbotenen Bücher" der Künstlerin Marta Minujín werden in Folie eingeschweißt, damit sie Regen und Wind widerstehen. Und sie werden den Menschen zurückgegeben, jeder darf sie am Ende der Documenta mitnehmen.

Im Marianum können Warburger Literaturfreunde Bücher für die Kunstaktion auf dem Friedrichsplatz in Kassel abgeben. "Wir sind ein Kulturgymnasium", betont Schulleiter Frank Scholle, da stehe der Schule der Aufruf nur allzu gut zu Gesicht.

Sammelstelle Schulsekretariat

Bücher, die verboten waren oder es in einigen Ländern noch sind, können persönlich im Sekretariat des Gymnasium Marianum bis zum 6. April abgegeben werden (montags bis donnerstags 7.15 bis 13 Uhr und 14 bis 16 Uhr, freitags bis 13 Uhr). Alexandra Dittmeier und Christin Raßmann werden sie dann nach Kassel bringen und für das Kunstprojekt abgegeben.

Die Bücher können aber auch per Post geschickt werden (documenta 14, Stichwort: The Parthenon of Books, Friedrichsplatz 18, 34117 Kassel). Spendenboxen stehen in Kassel vor dem Fridericianum und im Rathaus. Unterstützer werden gebeten, jeweils ein Formular auf www.documenta14.de auszufüllen und beizulegen.

Eine Liste der Uni Kassel ehemals oder noch immer verbotener Bücher, ist ebenfalls im Netz unter www.documenta14.de veröffentlicht und auf www. nikola-rossbach.de einsehbar. Die Liste enthält die Autoren und Buchtitel, die angenommen werden. Sie umfasst mehr als 70.000 Titel.

Von Dieter Scholz und Mareike Schwichtenberg

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