Gymnasium Marianum

Erwachsenwerden – Lions Quest am Marianum

Ein Unterrichtsfach ohne Arbeiten, Tests und Noten, indem viel spielerisch gearbeitet wird und bei dem es um das Wichtigste geht: Dich selbst! Das klingt doch gut, oder?

 

 Dieses Fach heißt „Erwachsen werden“. Der Klassenlehrer unterrichtet es in den Klassen 5 und 6 mit je einer Wochenstunde.

Es soll Dir zum Beispiel helfen:

- Dich in der neuen Gruppe zurechtzufinden,

- zu lernen, richtig zuzuhören und mit Gefühlen umzugehen

- zu entdecken, wo Deine Stärken liegen,

- herauszufinden, wie man einen echten Freund erkennt

- Konflikte richtig zu lösen und

- aufzuspüren, was Du eigentlich willst.

 

Die Lehrer arbeiten dabei nach einem vom Lions-Club Deutschland zusammen mit bekannten Pädagogen erarbeiteten methodischen Konzept, das Euch auch als Klassengruppe stärkt und Spaß haben lässt.

 

Das Programm will Euch in Euren sozialen Fähigkeiten unterstützen, damit Ihr Euch bei uns in Ruhe auf die Suche (englisch „quest“ – die Suche) machen könnt danach, was Erwachsenwerden bedeutet.

 

Dabei wünschen wir Euch viel Freude und viel Erfolg!

 

 

Weitere Informationen auf: http://www.lions-quest.de

 


Erwachsenwerden lernen

Neue Westfälische

Zehn Jahre Lions-Quest: Im Gymnasium Marianum lernen die fünften und sechsten Klassen, wie soziales Miteinander funktioniert. Das Fach finden die Kinder super

Von Friderieke Schulz

 

Warburg. Seit zehn Jahren gibt es das Fach „Lions-Quest“ nun schon am Gymnasium Marianum. „Wir nennen es Erwachsen werden“, sagt Schulleiter Frank Scholle über das Fach, dass fest in den Stundenplan der fünften und sechsten Klassen integriert ist und den Schülern viel bringt. Denn in einer Stunde in der Woche geht es nicht darum, besonders gut zu rechnen, zu lesen oder andere klassische schulische Inhalte zu vermitteln. Es geht um die Schüler selbst und die Förderung ihrer

sozialen Kompetenzen. „Der Lions Club hat das Fach entwickelt und sponsort es auch, ebenso die Schulungen für das Lehrpersonal“, sagt Scholle und betont, dass die soziale Bildung wichtiger werde

und zunehmend Aufgabe der Schulen sei. Das Fach ist in fünf Kapitel aufgeteilt, die die Klassenlehrer

mit ihren Schülern während der fünften und sechsten Jahrgangsstufe durcharbeiten.

Im ersten Kapitel, das den Titel „Meine Klasse“ trägt, lernen sich die Kinder untereinander kennen. „Sie lernen auch die Verhaltensregeln und stellen gemeinsam Klassenregeln auf“, sagt LehrerinYvonne Bögershausen. Vor kurzem hat die Klasse 5a nun mit dem zweiten Kapitel begonnen.

„Dabei geht es um Selbstvertrauen“, sagt die Pädagogin und zeigt den Arbeitszettel „Der dreibeinige Hocker“, auf dem die Kinder festhalten sollen, was sie schon können oder gerade lernen. Aber auch, was sie und Andere an sich mögen und wo die Kinder im Alltag zeigen, dass man sich auf sie

verlassen kann, wird so festgehalten und später in der Klasse besprochen. „Zwei Drittel der Kinder haben schon Zweifel an sich und trauen sich nicht viel zu“, stellt die Klassenlehrerin fest.

Im dritten Kapitel wird dann später besprochen, wie man mit seinen Gefühlen und Stresssituationen umgeht. „Das vierte Kapitel thematisiert Freundschaften. Was gute und was schlechte Freunde

sind – dafür werden die Kinder darin sensibilisiert“, weiß auch Schulleiter Scholle.

Auch das familiäre Umfeld ist ein Thema im Fach „Erwachsen werden“ und Inhalt des fünften Kapitels.

Für das Fach gibt es keine Note, dennoch war es dem Schulleiter wichtig, es zu einem Schulfach zu machen. „Es ist für die Schüler einfach eine neue Welt nach der Grundschule. Für manche auch eine

zweite Chance. Sie müssen sich sozial zurechtfinden“, sagt Scholle und Bögershausen ergänzt: „Die erlernten, sozialen Kompetenzen erleichtern den Schülern auch das Lernen selbst.“ Auch der demografische Wandel und die Veränderung in der Erziehung spielen für die Bedeutung dieses Faches eine Rolle. „Wir mischen uns nicht in das Elternhaus ein. Das empfinden die Eltern aber auch nicht so. Sie nehmen das Fach an und befürworten es“, weiß Bögershausen. Insgesamt 51 Schüler in den fünften und 82 Schüler in den sechsten Klassen haben derzeit einmal die Woche das Fach

auf ihrem Stundenplan und finden es richtig klasse. „Wir können hier besprechen, was uns nicht gefällt“, sagt Lana und Amelie hat im Unterrichtsfach bereits erfahren, wie sie anderen helfen kann, wenn es ihnen nicht gut geht. „Was wir hier gelernt haben ist auch für die Pause gut. Wenn es Streit gibt, weiß ich, was ich tun kann“, sagt Marius und auch Meike hat bereits nachgeschlagen,

wie sie ihrer Freundin helfen konnte, als die traurig war. Während der Stunde thematisieren

die Kinder auch Klassenprobleme: „Wenn jemand die Hausaufgaben vergessen hatte, wurde das früher immer von anderen gepetzt. Aber wir haben darüber gesprochen und festgelegt, dass

wir das nicht mehr machen, weil es gemein ist“, sagt Mathilda.

 

KOMMENTAR

Ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft

Von Friderieke Schulz

Früher wurden die Inhalt des Schulfaches „Erwachsen werden“ nebenbei am Küchentisch

vermittelt. Bei Mama, Papa, Oma oder Opa sowie im Spiel mit Geschwistern und Freunden lernten die Kinder, wie soziales Miteinander funktioniert, was richtig und was falsch ist. Solche, generationenübergreifende Familiengefüge sind in modernen Gesellschaften selten geworden.

Aufgrund dieses gesellschaftlichen Wandels rückt die Aufgabe zunehmend in den Fokus der Schulen. Ob das richtig ist, ist ein anderes Thema. Das Marianum hat sich der Aufgabe bereits vor zehn Jahren

gestellt, als das Fach eingeführt wurde. Eine richtige Entscheidung. Denn nicht jedes Kind wächst Zuhause mit derselben Wertekultur auf und empfindet demnach das selbe Verhalten für richtig.

Im Marianum werden dafür Räume und gleiche Verhältnisse geschaffen. Die Kinder erlernen dieselben Werte, an die sich alle halten müssen und können sich nicht nur in der Schule, sondern auch bei Freunden und Zuhause darauf beziehen. Der spielerisch erarbeitete Wertekatalog wird

so lebendig und fest verankerte Wirklichkeit. Ein guter Schritt für die Gesellschaft von morgen.

friderieke.schulz(at)nw.de

 

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