Gymnasium Marianum

Wer nicht von dreitausend Jahren
sich weiß Rechenschaft zu geben,
bleib im Dunkeln unerfahren,
mag von Tag zu Tage leben. (Goethe)

 

Diese Forderung mag heute als Überforderung erscheinen angesichts der Datenmenge, die seither angewachsen ist und weiter wächst. Sollten wir unsere kostbare Zeit da nicht lieber auf die Gegenwart richten?

 

Das hielt den Menschen aber bisher nicht davon ab, sich seiner Herkunft zu vergewissern. Nur er ist schließlich in der Lage, Erfahrungen langfristig zu sammeln und zu einem Gesamtbild, einer Erzählung zusammenzufügen. Nicht nur um das Horten von Fakten also geht es, sondern um eine weitere, hellere Sicht auf die Bedingungen unseres Daseins. Gerade der Blick in die Zukunft ist  zugleich ein Blick zurück, wie beim römischen Gott Janus mit den zwei Gesichtern.

 

Nahrung für dieses Grundbedürfnis finden wir überall: Geschichte schlummert nicht nur in zufälligen Überresten. Sie liefert uns als fertiges Produkt in Erzählungen, Spielfilmen und Ausstellungen Angebote zur Sinnstiftung und Identifikation oder zur Unterhaltung. Im politischen Kampf dient sie als Waffe, als Mahnung oder Vorbild, gerade auch für völlig Neues.

 

Aus den vielfältigen Angeboten kritisch auszuwählen, sie nicht einfach zu konsumieren oder naiv zu übernehmen, kurz: ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein, ist das Ziel des modernen Geschichtsunterrichts.

 

In der Orientierungs- und Mittelstufe geht es zunächst um einen chronologischen Durchgang durch die Weltgeschichte, angefangen – über Goethes Programm hinaus – mit der Steinzeit und den alten Ägyptern, natürlich in großen Sprüngen. Die Schüler mag dabei zunächst gerade die Fremdheit ferner Epochen und die Vielfalt menschlichen Lebens reizen. Neben diesem Basiswissen, der Sachkompetenz, sollen die Schüler schrittweise Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz erwerben, also lernen, sachgerecht mit historischen Quellen umzugehen, ein eigenständiges Urteil zu bilden und ihre eigenen Entwürfe aktiv einzubringen.

 

In der Oberstufe werden diese Kompetenzen an den landesweit vorgegebenen Themen noch gezielter und differenzierter eingeübt, auch im Hinblick auf Klausuren und das Zentralabitur. Dabei sollen die Schüler zunehmend kritische Distanz zu Quellen und Darstellungen entwickeln, sowie sich der Komplexität und Multiperspektivität der Geschichte bewusst werden sowie ihrer Vernetzung mit der Gegenwart und anderen Fächern, etwa bei politischen Fragen.

 

Solches fächerübergreifendes Interesse wird an unserer Schule auch durch Exkursionen geweckt: In der sechsten Klasse fahren wir auf den Spuren der alten Römer etwa zur Saalburg oder einem anderen Ziel der Germania Romana, in der neunten zur Wewelsburg, wo die Geschichte des Nationalsozialismus anschaulich und konkret fassbar wird. In Gedenkveranstaltungen erinnern wir immer wieder an die Bedeutung geschichtlicher Ereignisse auch für unsere Heimat, etwa an das Schicksal der Warburger Juden.