Patenschaft der Stufe 9 für die Stolpersteine der Familie Berg


Am 28. Februar 2019 wurden in Warburg 17 neue Stolpersteine an vier verschiedenen Stellen in der Warburger Neustadt durch den Alsfelder Künstler Gunter Demnig verlegt.

Unter der Organisation unseres Schulleiters Frank Scholle übernahmen die Klassen der Stufe 9 die Patenschaft für die Stolpersteine der Familie Berg in der Hauptstraße 24.

Meinhard und Selma Berg betrieben im ehemaligen Haus des Sattlermeisters Scholle ein Geschäft für Strick- und Wollwaren sowie für Hüte. Dies war ein kleines, aber durchaus gut sortiertes Geschäft, das sich offiziell H. Chalier nannte. Zeitzeugen und Zeitzeuginnen berichten, dass man, um ins Geschäft zu gelangen, erst einmal im Flur klingeln musste, damit der Inhaber aus seiner Privatwohnung im ersten Stock herunter kam.

Selma Berg (geb. Nathansohn * 23.07.1866) und Meinhard Berg (* 29.07.1955) hatten insgesamt vier Kinder: Josef (*20.10.1891), Martha (*14.02.1894), Norbert (*15.08.1895) und Hans (*29.12.1900).

Der Vater Meinhard starb bereits im April des Jahres 1931. Daher erinnert an ihn kein Stolperstein, die seit 1992 nur für die Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Seine Frau Selma wurde im Juli 1942 mit ihren beiden Kindern Josef und Martha deportiert. Martha Berg wurde am 04.08.1943 in Theresienstadt ermordet.

Norbert Berg war seit 1931 Teilhaber eines Textilgeschäftes in Bamberg und wurde bereits 1941 in das Lager Riga-Jungfernhof deportiert und dort umgebracht.

Hans Berg, der sich als Jurist in Elberfeld niedergelassen hatte, floh nach Brüssel und hielt sich dort bis zum Kriegsende versteckt. Als einziger Überlebender der Familie wanderte er 1951 in die USA aus und starb 1967 in New York.

Gemeinsam mit ihrem Geschichtslehrer, Herrn Scholle, haben sich die Schülerinnen und Schüler der 9b in ihrem Geschichtsunterricht exemplarisch mit dem Schicksal der Familie Berg im Kontext der Zeit des Nationalsozialismus in Warburg beschäftigt. Darüber hinaus haben sie sich im Religionsunterricht von Frau Dittmeier mit einem Gedicht von Erich Fried auseinandergesetzt und dieses mit ihren eigenen Worten neu geschrieben und interpretiert. Eines dieser Gedichte wurde im Rahmen der Gedenkveranstaltung auf dem Neustädter Markplatz verlesen. Es soll dazu aufrufen, hinzuschauen, auch heute noch, wenn Menschen verfolgt werden und Hilfe und Unterstützung benötigen.

Alexandra Dittmeier