Schulbanker: Ein Abenteuer in der Finanzwelt für Schüler

„Schulbanker“ ist ein Projekt des Bundesverbandes deutscher Banken e. V., in welchem Schüler*innen in die Rolle des Bankvorstands schlüpfen und sich gegenseitig in einem Wettbewerb messen können.

Im Jahr 2021/22 nehmen 592 Teams aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Tschechien und Italien, jeweils bestehend aus drei bis fünf Teammitgliedern teil.

Die Teams werden in 20 Märkte eingeteilt, in welchen sie miteinander konkurrieren. Die Sieger*innen des jeweiligen Marktes werden zum Finale in Berlin eingeladen. Dort wird das Siegerteam ermittelt. Gewinner wird dasjenige Team, das die meisten Punkte sammelt. Die Punkte werden unter Berücksichtigung der Bilanzgewinne und der Bonität der Bank ermittelt.

(© Bundesverband deutscher Banken e.V.)

Die Teilnehmer*innen entscheiden in den jeweiligen Geschäftsjahren über die Zinssätze im Passivgeschäft sowie im Aktivgeschäft. Außerdem entscheiden sie über Provisionen, über Aktienfonds und Aktiendepot, über Girokonten und Kosten der Kreditkarten. Ein weiterer Faktor ist die Eröffnung und Schließung von Filialen und Kundenterminals, wobei man auch indirekt über das Personal entscheiden kann. Nicht zu vergessen ist das Marketing. Bei all diesen Entscheidungen müssen die Teams die aktuelle Konjunktur und die Markttrends im Blick behalten.

Im ersten Geschäftsjahr mussten wir uns zuerst mit den Mechanismen und Begriffen auseinandersetzen. Für diesen Schritt hat jedes Team Zugriff zu einem Handbuch, in dem all dies erklärt wird. Allerdings sind wir noch auf einige Schwierigkeiten gestoßen, wie wir später herausgefunden haben, lag dies an fehlender Erfahrung, welche wir im Laufe des Planspiels sammeln konnten. Am Ende trafen wir im ersten Geschäftsjahr gute Entscheidungen, da wir einen besseren Bilanzgewinn erzielten als der Durchschnitt unseres Marktes.

In den zwei darauffolgenden Geschäftsjahren erzielten wir mit demselben, noch ausbaufähigen Verfahren solide Ergebnisse. Dadurch landeten wir zur Winterpause auf dem 11. Platz in unserem Markt.

Nach der Winterpause, gestärkt durch die Feiertage, haben wir uns entschlossen, mehr Risiko einzugehen. Dies taten wir, indem wir die Zinssätze aggressiv veränderten. Wie sich später herausstellte, war dies ein schwerwiegender Fehler, welcher unsere Bank in ernste Schwierigkeiten brachte, so mussten wir einen Notkredit über acht Millionen Euro aufnehmen, um die Zahlungsfähigkeit nicht zu gefährden. Der Notkredit war ein großes Problem, da er zum einen einen hohen Zinssatz hatte und sich zum anderen auf unsere Punktzahl stark negativ auswirkte.

Getreu dem Zitat von Thomas Carlyle: „Der schlimmste aller Fehler ist, sich keines solchem nicht bewusst zu sein.“, haben wir uns entschieden, mit einem neuen Ansatz an die Entscheidungsfindung heranzugehen. So entwickelten wir über Stunden hinweg eine Excel-Datei, welche es uns erlaubt, aufgrund der Rahmenbedingungen deutlich bessere Entscheidungen zu treffen. Die Datei umfasst 300 Zeilen mit verschiedensten Grafiken und Berechnungen. Dank ihr konnten wir in den letzten beiden Geschäftsjahren unsere besten Ergebnisse erzielen. So verbuchten wir im Geschäftsjahr 6 einen rekordverdächtigen Bilanzgewinn von 7,2 Millionen Euro, wobei der Durchschnitt an der Fünf-Millionen-Marke kratzte.

Am Ende landeten wir auf einem guten 9. Platz, wobei der Notkredit unsere Punktzahl vermindert hatte. Leider fahren wir dieses Jahr somit nicht nach Berlin. Allerdings möchten wir mit den völlig eigenständig gesammelten Erfahrungen beim nächsten Mal wieder teilnehmen. Dann fahren wir nach Berlin!

Luis Wiegartz und Marius Engemann (EF)