Genderkonzept des Gymnasium Marianum

Inhaltsverzeichnis

 

1.     Zielsetzung und rechtliche Rahmenbedingungen

 

2.     Curriculare Beiträge zu einer gendersensiblen Bildung und Erziehung

 

2.1 Inhaltliche Konkretisierung einer gendersensiblen Bildung und Erziehung in den Unterrichtsfächern

2.2 Inhaltliche Konkretisierung und methodische Umsetzung einer gendersensiblen Bildung und Erziehung in Projekten und pädagogischen Konzepten

2.3 Gender-Themenwoche

 

3.     Perspektive

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1.     Zielsetzung und rechtliche Rahmenbedingungen

 

Ziel des Genderkonzeptes ist es, einen Beitrag zu leisten, Schülerinnen und Schüler zu einer selbstbestimmten und sozial verantwortungsbewussten Lebensgestaltung zu befähigen – unabhängig von tradierten Geschlechterrollen. Damit schließt es sich dem Leitaspekt der individuellen Förderung an, indem es darauf zielt, Mädchen und Jungen gleiche Entfaltungsmöglichkeiten und ein gleiches Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten und Gestaltungsperspektiven zu eröffnen.

Weiterhin soll der Blick geöffnet werden für geschlechtsbezogene Chancenungleichheit in gesellschaftlichen, ökonomischen, kulturellen und historischen Zusammenhängen und so zu deren Überwindung beitragen.

„Grundlage für die Weiterentwicklung von gendersensibler Bildung und Erziehung in der Schule ist in Nordrhein-Westfalen das Schulgesetz. Danach hat die Schule die Aufgabe, auf die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Beseitigung bestehender Nachteile hinzuwirken (SchulG § 2, Abs. 7, Satz 3). Gendersensible Bildung ist somit ein Querschnittsthema aller Ebenen der Schulentwicklung. Sie berührt u. a. den Unterricht, die außerunterrichtlichen Angebote, die Personalentwicklung. Die Vermeidung von geschlechtsbezogenen Diskriminierungen beinhaltet zudem die Berücksichtigung von geschlechtlicher Vielfalt.

Die 2016 verabschiedeten „Leitlinien zur Sicherung der Chancengleichheit durch geschlechtersensible schulische Bildung und Erziehung“ der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren (GMFK)  beinhalten Handlungsfelder sowie Maßnahmen, um den Bildungsauftrag von Schule zu konkretisieren. Die Zielsetzung dabei ist, benachteiligende Geschlechterstereotype zu vermeiden und Jungen und Mädchen in der Schule gleichermaßen zu fördern.“[1]

Auf dieser Grundlage trägt das Genderkonzept dazu bei, Schul- und Unterrichtsentwicklung im Sinne des Schulgesetzes NRW und der oben genannten Leitlinien schulpraktisch zu gestalten.

Das vorliegende Gender-Konzept fokussiert die pädagogische Perspektive und ist als unterrichtspraktische Konzeption zu verstehen. Schulstrukturelle Aspekte wie Personalentwicklung werden hier ausdrücklich nicht einbezogen.

Die Umsetzung wird einerseits in unterrichtlichen Inhalten, Methoden und pädagogischen Konzepten konkretisiert. Zum anderen widmet sich eine Gender-Themenwoche in der Jahrgangsstufe 8 der Thematik des Erwachsenwerdens und der Persönlichkeitsentfaltung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher geschlechtsspezifischer Rollenerwartungen.

Folgende konkrete Ziele werden angestrebt:

·         eine Sensibilisierung für geschlechtsspezifisches Rollenverhalten und geschlechtsspezifische Rollenbilder,

  • die Bildung einer eigenen Geschlechtsidentität,
  • die Förderung individueller Fähigkeiten und Fertigkeiten jenseits gesellschaftlicher Rollenzuschreibungen und
  • eine Überwindung von geschlechtsspezifischen Rollenklischees.

 

 

2.     Curriculare Beiträge zu einer gendersensiblen Bildung und Erziehung

 

Als durchgängiges Moment im schulinternen Curriculum sind die o.g. Ziele jahrgangsumfassend Bestandteile von Fachunterricht, pädagogischen Konzepten und Projekten. Einen gesonderten Baustein stellt die Gender-Themenwoche dar.

 

2.1 Inhaltliche Konkretisierung einer gendersensiblen Bildung und Erziehung in den Unterrichtsfächern

 

Fach

Jg

Inhaltliche Konkretisierung

Deutsch

EF

Sprachentwicklung/ Political Correctness
Entwicklung eines Bewusstseins für Diskriminierung durch Sprache

 

Englisch

9

 

 

EF

 

 

 

 

 

 

Q1

Reflektion von Berufsbildern (typ. Mädchen/typ. Junge), Bewerbungsschreiben (Unterschiede D/GB + USA: mit/ohne Bild und Name)

 

Thema Growing up: Arbeit mit Kurzgeschichten (EF 1.1.) zum Thema Rollenklischees, Rollenbilder

Thema Teenage dreams and nightmares EF 1.2.: z.B. J.C. Oates: Big Mouth, Ugly Girl: Rollenbilder der Gesellschaft

Thema intercultural encounters EF 2.2., Filmanalyse z.B. Bend it like Beckham (Rollenklischees, geschlechtsspezifische Rollenbilder)

 

Thema Shakespeare: Shakespeares Frauenbild, Vergleich mit Gegenwart

Thema India: Rolle der Frau, arrangierte Ehen, Diskriminierung

American Dream: Unterschiedliche Realisierung des Traums für Männer und Frauen

 

Mathematik

Physik

Chemie

5-Q2

Den unterschiedlichen methodischen Zugangsweisen und Problemlösungsstrategien, die Mädchen und Jungen anwenden, wird Rechnung getragen.

 

Sport

 

 

Biologie

6

Sexualerziehung

-Individualentwicklung des Menschen: Veränderungen in der Pubertät bei Mädchen und Jungen, Bau und Funktion der weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane, Unterschied zwischen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen

-Verschmelzung von Ei- und Spermienzelle als Merkmal für geschlechtliche Fortpflanzung bei Menschen und Tieren: Vergleich: Ei- und Spermienzelle, Vorgang der Befruchtung

-Vererbung als Erklärung für Ähnlichkeiten und Unterschiede von Eltern und Nachkommen auf phänotypischer Ebene: Paarbindung, Geschlechtsverkehr, Empfängnis und Kennenlernen verschiedener Möglichkeiten der Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Geburt, Entwicklung vom Säugling zum Kleinkind

 

Erdkunde

 

 

Politik/Sowi

6

 

 

 

 

8

 

 

EF

 

 

 

 

Q1

 

- Familienleben – Hat sich etwas verändert?

„Ein Mädchen tut das nicht“ – „geschlechtsspezifische“ Erziehung / Mädchenwelten vs. Jungenwelten?  (Politikbuch Politik und Wirtschaft 5/6 S. 156- S. 158)

 

„Inwiefern beeinflusst die Werbung unser Konsum verhalten?“ – Die Rolle der Werbung auf die Vermittlung von Rollenerwartungen

 

„Wie sind wir geworden, was wir sind?“ – Sozialisation und Rollenhandeln, insbes. Die Bedeutung der Gleichaltrigengruppe nach Erikson / Untersuchung der Geschlechterstereotypen am Beispiel einer Analyse der Sendung „Germanys next Topmodel)

 

Erscheinungsformen und Auswirkungen sozialer Ungleichheit – Geschlechtsspezifische Ungleichheiten am Beispiel der Benachteiligung der Frauen im Erwerbsleben (Blickpunkt Sozialwissenschaften, S. 252f.) / Pro-Contra Debatte „Brauchen wir eine Frauenquote?“

 

Geschichte

 

 

Erziehungs-wissen-schaften

EF

 

 

Q1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Q2

-Lerntheorien: Lernen durch Nachahmung, Lernen am Vorbild: Bandura, insbesondere Erlernen geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen

 

-Die pädagogische Sicht auf interaktionistische Sozialisationsmodelle: Mead und Krappmann, insbes. Geschlechterrollen und Geschlechtsidentität und Bewertung pädagogischer Maßnahmen zur Förderung der Identitätsentwicklung unter der Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit

-Pädagogisches Handeln und Modelle der Beschreibung der Entwicklung im Jugendalter: Hurrelmann, insbes. die Bewältigung der vier Entwicklungsaufgaben und deren durch die Geschlechtszugehörigkeit geprägten Bewältigungsmuster (10. Maxime)

 

-Entstehung, Erscheinungsformen und Folgen unzureichender Identitätsentwicklung aus pädagogischer Sicht: Der sozialisationstheoretische Erklärungsansatz von Heitmeyer, der psychologische Erklärungsansatz von Rauchfleisch, insbes. unterschiedliche Erscheinungsformen von Gewalt bei Jungen und Mädchen

-Erziehung im Nationalsozialismus, insbes. die Rolle des Mannes/der Frau im Gesellschaftssystem des Nationalsozialismus

 

Ev/Kath Religion

7

 

 

8

 

EF

-Entstehung der Evangelien, Propheten: Kontrastierung des Frauen- / Männerbildes in der Bibel  mit dem aktuellen Frauen - / Männerbild

 

-„Sehnsucht“: Thematisierung von Schönheitsidealen

 

- Anthropologie (Teilthema Schöpfungsgeschichte à Was ist der Mensch?“): Thematisierung von Geschlechterrollen

 

Philosophie

EF

- Die ethische Frage nach universalen Werten, insbesondere bei der Missachtung von Frauenrechten.

 

Kunst

5

 

 

 

 

6

-Fördern des individuellen Ausdrucks in Bild und Form unabhängig von bereits erworbenen Auffassungsweisen, unabhängig von Religion, Geschlecht, sozialem Hintergrund und standardisierter Zuordnung in typisch Mädchen/ typisch Junge

 

-Betrachten einzelner Comic Helden im Hinblick auf ihre Fähigkeiten und deren Zuordnung in geschlechtsspezifische Eigenschaften

Diskussion zur Fragestellung: Brechen Comic-Helden gelernte soziale Normen auf?

Ideensammlung zu einem persönlichen Comic-Helden: welche Fähigkeiten wünscht sich die Schülerin/der Schüler für den eigenen Helden - Bildliche Ausarbeitung in schwarz/weiß

 

Musik

7

Unterrichtsreihe „Liebeslieder“:

a) Unterschiede zwischen Jungen-und Mädchenstimme (insbesondere der Stimmbruch)

b) unterschiedlicher Musikgeschmack von Jungen und Mädchen; sowohl allgemein als auch speziell beim Thema „Liebeslieder“

 

Erwachsen werden

5+6

Aufgreifen von Diversität Jungen/Mädchen (im Lion´sQuest- Konzept implementiert)

 

 

 

2.2 Inhaltliche Konkretisierung und methodische Umsetzung einer gendersensiblen Bildung und Erziehung in Projekten und pädagogischen Konzepten

 

Projekt/

Konzept

Jg

Inhaltliche Konkretisierung/methodische Umsetzung

Lese-förderung und Vertretungs-stunden-konzept

5-8

-Genderdifferenzierte Leseförderung in den Vertretungsstunden:

>Schwerpunkt Klasse 5 Jungenleseförderung: „Historische Krimis“ (1. Halbjahr) -„Lebendige Geschichte – lebendige Biographien“ (2. Halbjahr)

> Schwerpunkt Klasse 6 „Suche nach eigenen Lesevorlieben“

(Die Schülerinnen und Schüler haben die Auswahl zwischen einem gesellschaftskritischen Roman, einem Science -Fiction Roman und einem Liebesroman)

 

-Individuelle Leseförderung in den Vertretungsstunden

-Schwerpunkt Klasse 7 und 8: „Suche nach eigenen Lesevorlieben“

(Die Schülerinnen und Schüler haben die Auswahl zwischen einem gesellschaftskritischen Roman, einem Science -Fiction Roman und einem Liebesroman)

 

Medien-scouts

7-9

Workshop „ICH & ICH – Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken“ - Identität, Selbstinszenierung und Gefahren in sozialen Netzwerken - das eigene Profil kritisch hinterfragen: Wie stelle ich mich dar? Welche Dinge offenbare ich? Welche Wirkung hat meine Selbstdarstellung auf andere?

 

SV,

Streit-schlichter

5-7

 

 

 

 

 

5-9

 

Stärkentag

Präsentation von besonderen Fähigkeiten oder sozialem Engagement außerhalb des Unterrichtes, die gendertypisch oder genderuntypische sein können („Fußballerinnen“/  „Balletttänzer“), Nominierung erfolgt durch Klassenkameraden (Kultur der Wertschätzung)

 

Beratungskonzept

Beratung seitens der Paten (Jg.5/6) und der Berater (Jg.7-9) kann gendertypische Aspekte enthalten: Konflikte, die auf Grund eines typischen Rollenverhaltens entstehen („raufende Jungen“, „tratschende Mädchen“)

 

Berufswahl-orientierung

8

(5-Q2)

Girls´/Boys´Day: Praktikumstag, Erkundung eines geschlechtsuntypischen Berufsfeldes

 

 

 

2.3 Gender-Themenwoche

Dieser Baustein des Gender-Konzeptes widmet sich der Identitätssuche vor dem Hintergrund der Veränderungen in der Pubertät unter besonderer Berücksichtigung der Verschiedenheit von Mädchen und Jungen.

Ausgehend von Erfahrungen der körperlichen Veränderung und sozialen Herausforderungen, die die Pubertät und das Erwachsenwerden mit sich bringen, bietet die Gender-Themenwoche den Schülerinnen und Schülern Möglichkeiten, einen Blick auf sich selbst und die eigene (Geschlechts-) Identität zu richten. Körperliche Veränderungen und deren Einfluss auf die Selbstwahrnehmung sowie gesellschaftliche Geschlechtsrollenerwartungen werden aus verschiedenen Perspektiven, mit unterschiedlichen inhaltlichen und methodischen  Zugängen ins Bewusstsein gerückt und für eine Persönlichkeitsentfaltung gewinnbringend bearbeitet. Die Vermittlung und Moderation wird von externen Fachkräften (z.T. im Rahmen von Kooperationspartnerschaften) und Schülerinnen und Schülern als Experten in Form von Workshops übernommen. Folgende Inhalte stehen im Fokus:

  • Rollenwahrnehmung und Rollenklischees: Auseinandersetzung mit Geschlechterrollenklischees und eigner Persönlichkeit
  • Aspekte der körperlichen Veränderung als Herausforderung für Mädchen und Jungen
  • Sexuelle Selbstbestimmung und Selbstbehauptung: Wertschätzung des eigenen Körpers und differenzierte Wahrnehmung von Gefühlen, Bedürfnissen und Interessen, Wahrnehmen und Setzen von Grenzen, sexualisierte Gewalt
  • Ernährung, Bewegung und Stressbewältigung als Voraussetzung für körperliche und psychische Gesundheit
  • Identität und Gefahren der Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken

Eine Ausweitung und/oder Veränderung der Themen ist möglich.

 

 

3.     Perspektive

 

Die an die Jahrgangsstufe 8 gerichtete Gender-Themenwoche fokussiert insbesondere Aspekte der Identitätssuche und thematisiert somit eher individuelle Perspektiven der Persönlichkeitsentfaltung vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Geschlechterrollenklischees.

Ergänzend dazu ist in den höheren Jahrgangsstufen eine (evtl. projektartige) Betrachtung gesellschaftlicher, kultureller, ökonomischer und historischer Aspekte geschlechtsbezogener Chancenungleichheit denkbar, die die im Fachunterricht aufgegriffenen Sachzusammenhänge aufgreift und vertieft.